Ein Schlag in das Gesicht des Berggebietes

125 Osttiroler Biobetriebe können aufgrund der überbordenden Bestimmungen für das Berggebiet seit 1. Oktober nicht mehr in das Hofer-Projekt „Zurück zum Ursprung“ liefern. Viele von ihnen – vor allem jene im extremen Berggebiet – halten ihre Rinder in der sogenannten Kombinationshaltung (Anbindehaltung im Winter und Alpung und Weide im Sommer).

04.10.2018

Bei einem Lokalaugenschein in der Nationalparkgemeinde Kals am Großglockner nahmen vier betroffene Bauern – Alois Groder, Martin Rogl, Rupert Schnell und Klaus Unterweger – dazu Stellung. Von den 15 Milchlieferanten des Dorfes haben 14 in das Projekt „Zurück zum Ursprung" geliefert.
Vor fünf Jahren starteten sie in das Projekt und nun kam das jähe Ende durch den verpflichtenden Auslauf an 365 Tagen. Dies sorgt insofern bei den Bauern für Unverständnis, sind sie doch der festen Überzeugung, dass sie im Sinne der Nachhaltigkeits- und Fairnessstrategie, verbunden mit einer Kreislaufwirtschaft, im Einklang mit der Natur von „Hofer" im Projekt „Zurück zum Ursprung" doch einen großen gesellschaftlichen Anteil zur Bewirtschaftung des Berggebietes beitragen. So ist die Enttäuschung darüber sehr groß. Sie können das auch deshalb nicht verstehen, weil sie doch davon überzeugt sind, dass sie ihre Tiere gut halten. „Unsere Tiere haben Namen und wir kümmern uns täglich mit großem Einsatz für ihr Wohlbefinden", sagen die Bauern unisono.
Die Betriebe, für die das nicht mehr möglich ist, sind zum Großteil im extremen Berggebiet zu Hause und halten ihre Rinder in der sogenannten Kombinationshaltung (Anbindehaltung mit Weide und Alpung). Ihre durchschnittliche Kuhzahl liegt bei fünf bis sechs Kühen, mit dem Jungvieh haben sie insgesamt 12 bis 15 Rinder. Dieser mehr oder wenige unfreiwillige Ausstieg aus dem Projekt bedeutet für diese Betriebe und die strukturschwache Region rund 200.000 Euro weniger Einnahmen.
Besorgt ist man auch darüber, dass diese Vorgangsweise weitere Nachfolger mit sich bringt, die ebenfalls mit diesen für das kleinstrukturierte Berggebiet nicht erfüllbaren Anforderungen im Tierwohlbereich werben. „Zurück zum Ursprung" ist aber nicht der einzige Vorreiter in der Tierwohl-Thematik. Auch „Ja, Natürlich" geht hier ähnliche Wege mit dem Slogan „365 Tage Freilauf" und den besonderen Hinweisen „Keine Anbindehaltung" und dass man ein Unterstützer der Nationalparkregion „Hohe Tauern" ist.
Struktur kann nur mit Kombihaltung bleiben
Bei genauerer Betrachtungsweise wird einem erst der Widerspruch dieser Aussage bewusst. Die bäuerliche Struktur der Nationalparkregion „Hohe Tauern" kann nur erhalten werden, wenn die Kombinationshaltung als die Haltungsform des Berggebietes in der Vermarktung mit den Attributen Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft, Fairness, Tierliebe, Almbewirtschaftung, Erhaltung Kulturlandschaft, Pflanzenvielfalt usw.Platz hat.
Dafür muss den Produzenten ein gerechter Lohn zustehen, ansonsten können sie diese für die Gesellschaft wichtigen Leistungen nicht mehr erfüllen. Für viele Betriebe im Berggebiet mit der sogenannten Kombinationshaltung würde das wohl ein endgültiges Aus bedeuten.
Wie sagte ein Bauer abschließend so treffend: „Wenn aber einmal die Stalltür und Alm zu ist, dann geht nichts mehr mit „Zurück zum Ursprung". Denn: Was einmal zu ist, bleibt zu!

Foto: Auch Bauernbundpräsident NR DI Georg Strasser (im Bild zu Besuch am Oberzieplhof in Westendorf) setzt sich für die ZZU-Betriebe ein. Das Brixental ist eine betroffene ZZU-Region. Sollte mit 2020 die von Hofer geforderte Laufstallpflicht kommen, müssten viele Nebenerwerbsbauern ihre Stalltüren für immer sperren.

Kommentar:
Zurück zum Ursprung – ja natürlich!

Vor einigen Jahrzehnten waren die Ställe niedrig und dunkel. Die Kühe standen auf Steinböden, als Einstreu wurde Laub oder Fichtenreisig verwendet. Wasser bekamen die Tiere zwei Mal am Tag beim Brunnen. Ich meine: Keine Kuh würde sich heute wohl „zurück zum Ursprung" wünschen.
Heute stehen moderne Selbsttränken, Gummimatten und Strohmatratzen als Bodenbelag oder Liegefläche zur Verfügung. Die Ställe sind licht- und luftdurchflutet. Größere Betriebe haben in Laufställe investiert, kleinere Betriebe auf Kombinationshaltung (Kombination von Anbindung mit Alm-Weide und Auslauf) umgestellt.
Wenn jetzt „zzU" die Auslaufbestimmungen zusätzlich verschärft und „Ja, Natürlich" mit 365 Tagen Auslauf im Jahr wirbt, schließt man Bauern der kleinstrukturierten Berglandwirtschaft aus diesen Produktionsnischen aus. Arbeitsaufwand und Investitionskosten stehen in keiner Relation zum Ertrag. Bei den Forderungen dieser Handelsketten, die über das Tierschutzgesetz hinausgehen und keinen Einfluss auf die Produktqualität haben, können viele Bauernfamilien nicht mehr mit. Damit erreicht man aber genau das Gegenteil von „Zurück zum Ursprung" – größere Strukturen, weniger Almwirtschaft und Beschleunigung des Strukturwandels.
Wenn das die Philosophie von „Zurück zum Ursprung" und „Ja, natürlich" ist, haben diese Manager den Wert und den Sinn von familiär geprägten Berglandwirtschaftsbetrieben leider nicht erkannt. Ich vertrete die Meinung, dass die Kombinationshaltung für unsere Bergbauernbetriebe sowohl den Tieren als auch den Bauernfamilien den notwendigen Freiraum gibt.
Auf der Homepage von Hofer ist außerdem zu lesen: „Vertrauen muss man sich verdienen. Hofer schafft dies durch höchste Qualität zu niedrigsten Preisen – ohne Wenn und Aber, und das seit Jahrzehnten", so Friedhelm Dold und Günther Helm, Generaldirektoren der Hofer KG.
Wie das wohl geht? Vertrauen sieht in meinen Augen anders aus.

Bezirksbauernobmann LAbg. Martin Mayerl

martin.mayerl@maschinenring.at

 


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