Almgeschichten – Folge 13: Das Ende der Sommerfrische am „Timmel“

Am zweiten Sonntag im September erfolgt der Almabtrieb vom Timmeltal nach Zwieselstein im Ötztal.

06.09.2018

Der „Timmel" ist ein eigenwilliger Berg mit schnellen Wetterumschwüngen. Wenn es ihm beliebt, herrscht auf der einen Seite gutes und auf der anderen Seite schlechtes Wetter. Er nimmt auch keine Rücksicht auf traditionelle Veranstaltungen und so ist manchmal der zweite Sonntag im September, jener Tag, an dem die Zwieselsteiner ihr Almabtriebsfest feiern, verregnet. Zumindest im letzten Jahr war es so, da war ich dabei, als die Kühe von den Weiden am Timmelsjoch ins Tal getrieben wurden. Droben am Berg tanzten die Schneeflocken und der kalte Jochwind blies stürmisch, bis weit unter der Passhöhe lag schon der Schnee. In Zwieselstein hatte es am Morgen ungemütliche vier Grad und es regnete „Schusterbuben".
Wegen des Schlechtwettereinbruchs hatten die Bauern die Herden bereits am Vortag ein Stück weit durchs Timmeltal heruntergetrieben, aber die Stimmung hatten sie sich nicht verderben lassen. Viel wichtiger ist es doch, dass der Almsommer zufriedenstellend verlaufen und kein Unfall passiert ist und dass Kühe und Hirten wieder gut nach Hause kommen.

Der Bauernalltag hat sich verändert
Die kunstvoll drapierten Kränze und Gebinde für die Leittiere liegen in einem Schuppen auf einer Anhöhe bei Zwieselstein parat, wo bis Mittag alle Kühe zusammengetrieben werden. Während die Bauern und Hirten auf die Herden warten, zischen sie das eine und andere Bierchen und erinnern sich gern an frühere Zeiten, als die Bauernfamilien im Sommer oft mit Vater, Mutter, Kindern, Kühen, Ziegen und Hühnern hinauf auf die Almböden der Zwieselsteiner Tajen zogen. Bis 15. Mai wurde das Vieh zum Brunnenberg getrieben, vom 15. Mai bis ca. 15. Juni ging es auf die Hahle am Timmelsjoch, von Mitte Juni bis Mitte Juli hielt man sich im Gebiet Nederkogel-Lenzenalm auf, danach zog man mit Kind und Kegel (und Kühen!) ins Gebiet, wo sich das Sahnestüberl befindet. Die Familien lebten in Almhütten, hüteten das Vieh und gaben Acht, dass sie den guten Draht zum Himmel nicht verloren: Jeden Abend wurde auf den Knien der Rosenkranz gebetet.
Heute fahren die meisten Almhirten – die gute Straße macht das möglich – fast täglich nach Hause und der Bauernalltag hat sich auch sonst den modernen Zeiten angepasst. Nicht wenige Bauern der Umgebung haben die Landwirtschaft aufgegeben, aber bei jenen, die noch übrig sind, ist der Stolz auf den Bauernstand geblieben und damit auch der Zusammenhalt in der Agrargemeinschaft.

Das Augenmaß bewahren
Die Agrargemeinschaft Timmeltal-Alpe besitzt 1.250 Hektar Almfläche im Timmeltal, ca. 180 Hektar davon sind Futterfläche, die restliche Fläche besteht aus Fels, Stein, Wald- und Latschenfeldern. Früher gab es insgesamt vier bewirtschaftete und mit Milchvieh bestoßene Alpen im Timmeltal, jetzt nur noch eine Alpe, auf der Galtvieh weidet.
Der Agrargemeinschaft Timmeltal-Alpe unter Obmann Jakob Prantl (der die bekannte Alpe Gampe Thaya von Sölden bewirtschaftet), gehört auch das Rasthaus auf der Passhöhe am Timmelsjoch. Die Agrargemeinschaft wirtschaftet sehr vorausschauend und investiert Gewinne immer gleich wieder in den Betrieb. Jakob Prantl: „Bei der Alm- und Landwirtschaft muss man aufpassen, dass man den Bogen nicht überspannt. Man muss abwägen, wann genug genug ist. Es sollte dabei nicht ausschließlich ums Geld gehen, sondern auch darum, die bäuerlichen Werte hochzuhalten, die Almkultur zu pflegen und damit wertvolle Landschaftspflege zu betreiben – also insgesamt darauf zu schauen, dass das Leben auch für die nachfolgenden Generationen lebenswert bleibt."
Von den vielen Zaungästen beim Almabtrieb wissen wenige, wieviel Arbeit hinter der farbenprächtigen Prozession steckt und sie wissen auch wenig vom harten Alltag der Bauern. Aber das macht nichts. Bei so einem Fest wird nicht an die Arbeit gedacht, sondern bis in die Nachtstunden fröhlich gefeiert! Egal, bei welchem Wetter!

Zuschriften
Irene Prugger freut sich über Rückmeldungen.
Bitte per Mail an:
irene.prugger@inode.at
oder auf dem Postweg an die
Redaktion der
Tiroler Bauernzeitung
Brixner Straße 1
6020 Innsbruck

Fotos:
Ein hübsches Kränzchen für die Leitkuh.
Oberhalb von Zwieselstein werden die Kühe aufgebuscht.
Tanz der Schneeflocken beim Almabtrieb 2017 am Timmelsjoch.
Jakob Prantl, Obmann der Agrargemeinschaft Timmeltal-Alpe, begeht den Almabtrieb ganz traditionell.


Aktuelle Termine

Versteigerung
Mittwoch, 26. September 2018
Maishofen

Details

Sprechtag Rechtsberatung
Mittwoch, 26. September 2018
BLK Wörgl

Details

alle Termine


Tirol braucht seine Bauern!

Finden Sie mehr Infos zur Kampagne und zu den beliebten Tiroler-Bauern-Produkten in unserem Online-Shop.

Mehr


Hundekottafeln bestellen!

Die Hundekotproblematik ist ein ernst zu nehmendes Thema und betrifft viele Bauern in unserem Land. Wir setzen auf Aufklärung und bieten deswegen unsere Hundekottafeln zum Verkauf an. Infos, Bestellungen etc. unter tbb@tiroler-bauernbund.at oder Tel. 0512/59900-12

Infos, Preise, etc.

Unsere Adresse


Tiroler Bauernbund
Brixner Straße 1
A-6020 Innsbruck
Tirol - Österreich
Telefon +43 512 59900-12
Fax +43 512 59900-31

Email

Bauernbund Wetterservice


Hier finden Sie das aktuelle Bauernbund-Agarwetter in Kooperation mit der ZAMG. Abrufbar ist unsere Wetterhotline unter: Tel. 0512/561593

aktuelles Wetter

Wozu Tiroler Bauernbund?


In unserem Imagefilm und der Infobroschüre erfahren Sie mehr über Ursprung, Aufgaben, Ziele und die Bedeutung des Tiroler Bauernbundes.

Aktuelle Videos

Broschüre

Volltextsuche


Die einfache Suche nach Personen, Orten, Dingen und Terminen!

Tiroler Bauernbund