Almgeschichten – Folge 12: Was wissen die Besucher von der Almwirtschaft?

Die Ochsenalm von Mieders ist auch ein vielbesuchter Freizeitpark.

30.08.2018

Herden von Menschen – aber wo sind die Kühe? Gut aufgehoben, denn sie haben sich schattige Plätzchen im Wald gesucht, während Prozessionen von Besuchern die Sommerrodelbahn in der Nähe des Alm-gasthauses Koppeneck ansteuern, es sich auf einem Rastplatz mit herrlicher Aussicht auf die Serles gemütlich machen und dann zur Ochsenhütte oder nach Maria Waldrast weiterwandern.
130.000 Besucher jährlich – kann eine Alm das verkraften? Nur, wenn sie so weitläufig ist wie die Ochsenalm von Mieders. Ihre Weiden beginnen am Dorfrand, steigen hinauf in Höhen bis auf nahezu 2.000 Meter und reichen fast hinüber bis nach Maria Waldrast. Die Gemeinschaftsalm für die Miederer Bauern funktioniert nach einer einfachen Regel: So viele Tiere man mit eigenem Futter über den Winter bringt, so viele Tiere bekommen im Sommer einen Almplatz. Ein großes Gerangel um die Plätze gibt es nicht: Fast siebzig Bauern haben Rechte auf der Ochsenalm, aber nur mehr 31 bestoßen sie noch mit Vieh.

Die Mutterkühe sind an die Menschen gewöhnt
An die 150 Schafe und 200 Stück Rinder halten sich im Almgebiet auf. Obwohl es sich vorwiegend um Mutterkuhhaltung handelt, ist es noch nie zu einem Unfall gekommen. Die Tiere sind an die Menschen gewöhnt, außerdem haben sie hier genügend Möglichkeiten, den Besuchermassen aus dem Weg zu gehen und ihre Kälber in Ruhe zu säugen.
Ungefähr 1.000 Hektar groß ist Weide- und Waldgebiet der Ochsenalm, wobei die Almfutterfläche ca. 170 Hektar umfasst, davon sind nur 36 Hektar Reinweidefläche. Die Rinder müssen sich also ihr Futter hauptsächlich im Waldgebiet suchen. In trockenen Sommern wie diesem ist das ansonsten eher schwierige Almgelände von Vorteil, denn im Wald trocknet der Boden nicht so schnell aus und so fanden die Tiere noch im August frische Gräser. Die Schafe jedoch drängten recht früh zu Tal, da das Gras auf ihren Weiden bald zu trocken wurde.
Von den Besuchern, die mit der Sommerrodelbahn vom Koppeneck in Richtung Tal sausen, sind die meisten mit den Serlesbahnen heraufgefahren. Weil hier alles ein wenig nach Freizeitpark aussieht, ist vielen gar nicht richtig bewusst, dass sie sich mitten auf Almgebiet befinden. Die Sommerrodelbahn war eine Idee der Miederer Bauern. Die Agrargemeinschaft konnte damit viele Projekte zur Erhaltung einer intakten Almwirtschaft finanzieren. Seit der Umwandlung in eine Gemeindeguts-Agrargemeinschaft erhalten die Bauern nur mehr einen Pauschalbetrag als Obulus für „besondere Leistungen", die sie im Almgebiet erbracht haben. Die dadurch entstandenen wirtschaftlichen Einbußen müssen die Bauern hinnehmen, noch schmerzlicher sei jedoch der Image-Schaden, den die Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten erleiden musste, meint mein heutiger Almbegleiter, der 1951 geborene Gotthard Jenewein. Er ist Besitzer des Zirkenhofes in einem Seitental oberhalb von Mieders. Das Anwesen, das er von seinem Großvater übernommen hat, war früher auch eine Alm und besteht aus zwei stattlichen Bauernhäusern, einem großen Stallgebäude, einer Kapelle und einer alten Wassermühle.

Nötige Image-Pflege für Bauern und Almerhalter
Gotthard Jenewein, dessen fast 17 Mutterkühe ebenfalls auf der Ochsenalm weiden, ist seit seiner Kindheit eng mit dem Almleben verbunden. Er war oft als Hirte eingesetzt; während seine Freunde in die Schule gingen, kaufte er für seinen Großvater mit einem Ochsenfuhrwerk im Tal Heu ein. Gotthard meint, dass man mehr tun müsse, um die Wichtigkeit des Bauernstandes wieder ins Bewusstsein zu rufen: „Die Leute ärgern sich ja schon, wenn ein Traktor vor ihnen auf der Straße fährt, sie beschuldigen unsere Kühe als Klima-Schweine und sie machen sich kaum Gedanken darüber, dass Almpflege auch Landschaftspflege bedeutet."
Immerhin freuen sich die Gäste von Almgasthaus Koppeneck und der Ochsenhütte, wenn die Kühe mit bimmelnden Glocken ringsum weiden. Wenn sich auch noch Hirte Walter Engl blicken lässt – ein Original, wie es im Buche steht – ist die Almidylle perfekt. Zumindest für die Besucher. Diese müssen ja nicht alle Sorgen der Bauern kennen, aber ein paar Gedanken sollten sie sich schon darüber machen, wer für die guten regionalen Produkte sorgt, die sie in den Almgasthäusern genießen.

Fotos:
Die Mieminger Ochsenalm am Fuß der Serles ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Gotthard Jenewein besucht seine Mutterkühe auf der Alm.
Die Ochsenhütte wurde von den Miederer Bauern gebaut.
Hirte Walter Engl und Gotthard Jenewein sinnieren über das Almleben.


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