„Das, was wir machen, machen wir sehr gerne.“

Über 300 Interessierte aus allen Bezirken Tirols besuchten gestern das traditionelle Sommergespräch des Tiroler Bauernbundes am Hof der Familie Kapferer in Zirl. Hauptreferent war LH Günther Platter, der den enormen Stellenwert der Landwirtschaft für ganz Tirol besonders hervorstrich.

10.08.2018

Georg und Manuela Kapferer bewirtschaften seit 2015 ihren Aussiedlerhof in Zirl – und das mit voller Leidenschaft, wie beim gestrigen Bauernbund-Sommergespräch am Bauernhof spür- und sichtbar war. Mit Unterstützung durch die Ortsbauernschaft, der Bäuerinnenorganisation, der JB/LJ und der Feuerwehr öffneten sie ihre Hoftüren für sämtliche Interessierte aus nah und fern. In einem ist sich Familie Kapferer sicher: „Das was wir machen, machen wir sehr gerne", so die überzeugten Junglandwirte in ihren Grußworten zu den ca. 300 anwesenden Bauern, Jungbauern und Bäuerinnen, die sich informierten und intensiv diskutierten, wie es bei den Bauernbund-Sommergesprächen traditionell dazu gehört.

Für LH Günther Platter wäre ein Land Tirol ohne Landwirtschaft schlichtweg unvorstellbar, das betonte er in seinem Hauptreferat: „Drehen wir den Spieß um: Was wäre, wenn wir die Landwirtschaft in unserem Land nicht hätten? Was wäre, wenn die Almen nicht mehr bestoßen werden? Wenn wir kein Zuchtvieh hätten? Wenn wir keine bäuerlichen Erzeugnisse aus der Heimat hätten? Wir wären ein ganz ganz ganz armes Land! Dieses Land Tirol könnte man sich ohne Landwirtschaft nicht vorstellen, weil sie unverzichtbar für uns alle ist." Platter bedankte sich vor allen Anwesenden bei Bauernbundobmann LHSTv. Josef Geisler, der in der Vergangenheit, auch als Obmann der Agrarmarketing Tirol, unermüdlich an der besseren Vermarktung heimischer Produkte gearbeitet und stets die Zusammenarbeit von Tourismus und Landwirtschaft forciert hat: „Mich interessieren Nächtigungsrekorde nur dann, wenn die Wertschöpfung in der Region bleibt. Wir haben ein Konzept entwickelt, wo Tourismus und Landwirtschaft eng zusammen arbeiten. Die Verwertung heimischer Produkte muss auch in Zukunft unser oberstes Ziel sein, sonst wären unsere Regionen weniger lebenswert und zunehmend von Abwanderung betroffen." Besonders lobte Platter das jüngste Projekt der Tiroler Jungbauernschaft/Landjugend: „Die Tirolerinnen und Tiroler schätzen heimische Erzeugnisse. Mit Projekten wie „wie regional ist dein Kühlregal?" leistet ihr einen ganz besonderen Beitrag zur bevorzugten Verwendung heimischer Produkte."

Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler schnitt in seinem Redebeitrag wichtige Themen an, die den Bauern derzeit unter den Nägeln brennen. „Mir ist es wichtig, den direkten Kontakt und den Informationsaustausch zu unseren Mitgliedern jederzeit zu halten. Deswegen finden unsere Sommergespräche und Bauernparlamente jährlich und nicht nur zB zu Wahlzeiten statt." Das brennendste Thema des gestrigen Abends war sicherlich die ungewöhnlich lang anhaltende Trockenperiode. Die Bezirksbauernobmänner aus Landeck, Reutte und Imst erschienen geschlossen, um den Ernst der Lage genau zu schildern. Sie überreichten einige Handlungsmöglichkeiten an Josef Geisler und Günther Platter und betonten: „Wir wissen, dass wir uns auf euch verlassen können. Ihr habt auch in der Vergangenheit immer wieder darauf geschaut, dass die flächendeckende Landwirtschaft in unserem Land erhalten bleibt und auch Klein- und Kleinstbauern weiterhin ihre Höfe bewirtschaften können", so BBO Elmar Monz aus Landeck.

Eine große Herausforderung sieht Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler in der zukünftigen Gestaltung Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP): „Hier werden wir alles daran setzen, damit die Interessen der kleinstrukturierten Berglandwirtschaft ordentlich an den Brüssler Verhandlungstischen vertreten werden. Es darf nicht sein, dass Agrargroßkonzerne noch mächtiger werden und die nachhaltige Landwirtschaft von der Bildfläche verschwindet. Die Zukunft der EU-Landwirtschaft müssen bäuerliche Familienbetriebe bleiben und dafür werden wir uns stark machen", fand Geisler klare Worte. Gemeinsam mit LH Platter wird er bereits im Sommer weitere Gespräche mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Kanzler Sebastian Kurz führen.

Bezirksbauernobmann Thomas Schweigl freute sich über die rege Diskussions- und Fragerunde in der vom Schutz landwirtschaftlicher Flächen, über Retentionsräume bis hin zur Trockenheit, der EU-Agrarpolitik, der Pflege, dem sozialen Frieden im Land, etc. sehr viel thematisiert wurde. „Der Informationsaustausch, jedoch auch der direkte Draht zu Entscheidungsträgern ist sehr wichtig, damit wir auch in Zukunft Herausforderungen in der Landwirtschaft gemeinsam meistern können. Deswegen gilt mein Dank an LH Günther Platter, der sich die Zeit genommen hat mit uns zu diskutieren. Bitte bleibe weiterhin ein starker Partner der heimischen Landwirtschaft."

Das nächste Sommergespräch findet am Donnerstag, 23. August am Schusterhof der Familie Niedermoser-Kogler in St. Jakob in Haus statt. Gesprächspartner ist der österreichische Bauernbundpräsident NR DI Georg Strasser.

Details zum Hof der Familie Kapferer:
Der Aussiedlerhof der Familie Georg und Manuela Kapferer lieft in der Zirler Aue am westlichen Ortsrand von Zirl und wurde in den Jahren 2014/15 errichtet. Im modernen Liegeboxenluafstall mit Laufhof und Fütterungsroboter werden 48 Milchkühe (HF) und 50 Stück Jungvieh gehalten. Der Stalldurchschnitt liegt bei 8.900 kg, gemolken wird im Doppel-5er-Fischgrätenmelkstand. Die Milch wird an die Tirol Milch geliefert bzw. über den Milchautomaten im Ortszentrum direkt vermarktet. Im Sommer werden 30 Stück Jungvieh auf den Zirler Almen Eppzirl und Kristen gealpt.

Fotos:
Bezirksbäuerin Karoline Schapfl ist eine der zahlreichen Diskussionsteilnehmerinnen. Die Beiträge reichen vom Schutz des Eigentums, über die Trockenheit bis hin zur EU-Agrarpolitik und dem sozialen Frieden im Land.
Freuten sich über 300 Besucher zum Sommergespräch am Bauernhof: Bauernbundobmann LHStv. Josef Geisler, Hausherr Georg Kapferer mit Manuela Kapferer, Landeshauptmann Günther Platter, Bezirksbauernobmann Ing. Thomas Schweigl und Bauernbunddirektor BR Dr. Peter Raggl


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