Almgeschichten – Folge 9: Ein Bauer muss in Generationen denken

Zu Besuch bei zwei jungen Heumilch-Almbauern in Rettenschöss.

07.08.2018

Zweimal am Tag treffen Simon Danner von der Hacherlalm und Lois Mauracher von der Mannerstätter Alm am Mannerstätterhof im Ritzgraben von Rettenschöss zusammen. Einmal um sechs Uhr früh und dann wieder um sechs Uhr abends, wenn sie mit ihrer Heumilchlieferung von der Alm kommen. Vom Mannerstätterhof führt nämlich eine Materialseilbahn direkt zur Biosennerei Hatzenstädt. Pünktlichkeit ist dabei Gebot, denn die Seilbahn kann nur von der Sennerei aus bedient werden, drunten steht schon der Käser bereit. Sobald die Milchbehälter aufgeladen sind, surrt die Seilbahn los. Ein kurzes Gespräch noch zwischen den beiden Jungbauern, dann macht sich jeder an sein Tagwerk.
Der 1980 geborene Simon ist Nebenerwerbsbauer und hauptberuflich Tischlermeister, er muss werktags seinem Brotberuf nachgehen. Abends übernimmt dann meistens seine Frau das Melken. Für den 1974 geborenen Lois ist die Bauernschaft der Brotberuf, weil sich das aber wirtschaftlich mit vier zu versorgenden Kindern nicht so gut ausgehen würde, ist er auch beim Maschinenring tätig. Dieser Nebenjob lässt ihm die nötige Zeit für die Almarbeit.

Nachbarn im Tal und auf der Alm
Lois und Simon haben nicht nur ihre Höfe im Ritzgraben nah beieinander, sondern sind auch auf der Alm unmittelbare Nachbarn. Die Hacherl-alm liegt auf 950 Meter an den Sonnenhängen des Ritzgrabens, die Mannerstätter Alm auf 1.000 Meter. Bei so tief gelegenen Almen schreitet die Verbuschung noch weit dynamischer voran als auf Hochalmen, deshalb gehören Schwendarbeiten hier zur täglichen Routine. Auf den abschüssigen Hängen ist Lois mit der Motorsense unterwegs, während auf der Hacherlalm Simons Vater die besonders steilen Bichel noch mit der Handsense mäht und die lästigen Farne und kleinen Büsche zum Teil händisch entwurzelt, damit sie den guten Almgräsern Platz machen.
Zehn bis zwölf Milchkühe hält jeder der beiden Almbauern, wobei die Heumilchproduktion für beide eine Frage sowohl der Wirtschaftlichkeit als auch der Lebenseinstellung ist. Simons Vater hat schon vor vielen Jahren darauf umgestellt und auch für Lois ist sie ideal. Sie kommt seinem Anspruch an Qualität entgegen. Ein Bauer, sagt er, sollte nicht kurzfristig, sondern in Generationen denken. Sein Hof und seine Alm sind schon seit 1917 in Familienbesitz, der Urgroßvater stammte aus dem Zillertal und hatte im Ritzgraben den optimalen Platz für seine Bauernschaft gefunden. Die Alm gehörte immer schon dazu. Ihr Name deutet daraufhin, dass sie seit alten Zeiten zum Unterhalt beitrug, denn sie heißt eigentlich „Schmalzegg".

Man muss diese Arbeit gern machen
Sowohl von der Mannerstätter Alm als auch von der Hacherlalm hat man einen sagenhaften Ausblick aufs Unterinntal und bis in die bayrischen und Zillertaler Berge. Aber wie ist das mit der wirtschaftlichen Aussicht? „Dass eine Alm sehr viel Arbeit macht und nicht unbedingt eine Geldquelle ist, weiß jeder Bauer", sagt Lois. Auf die Alm würde er trotzdem nie verzichten wollen. „Man muss die Almarbeit gern machen, dann bringt sie enorme Lebensqualität – für die eigene Familie, aber auch für alle anderen Menschen, die auf eine schöne Natur und qualitätsvolle Lebensmittel Wert legen." So sieht das auch sein Nachbar Simon. Nicht so einig sind sich die beiden beim Plausch an der Materialseilbahnstation darüber, ob dieser Almsommer bislang ein guter ist. Auch dieser Tag ist wieder sehr sonnig gewesen und es sieht nicht nach Regen aus. „Viel zu trocken", meint Lois, „vor allem auf diesen steilen Sonnenhängen, wo das Wasser schnell abfließt und versickert, wächst das Gras heuer nicht sehr gut." – „Gar nicht so schlecht", sagt Simon, „wir hatten zwischendurch ja immer wieder Gewitterregen." Wie dieser Almsommer letztlich auch ausfallen wird – sowohl Lois als auch Simon blicken voll Zuversicht in die Zukunft, denn sie führen genau das Leben, das sie führen möchten und sie merken schon jetzt voll Freude, dass auch ihre Kinder tief verwurzelt sind mit dem bäuerlichen Leben und mit der Almwirtschaft.

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Redaktion der
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Fotos:
Familie Mauracher von der Mannerstätter Alm ist begeistert vom Almleben.
Simon Danner vor seinem Almhaus auf der Hacherlalm.
Harte Tschach: Lois bei Schwendarbeiten auf der Alm.
Schmucke Almhäuser (Mannerstätter Alm, Hacherlalm) stehen hier auf den schönsten Aussichtsplätzen.


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