Bundesrat Raggl: „Tier- und Umweltschutz brauchen Bodenhaftung“

Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl wurde kürzlich im ÖVP-Klub zum Umwelt- und Tierschutzsprecher im Bundesrat nominiert. Raggl sieht diese Nominierung als Chance, um seine breite Berufserfahrung – Raggl war Jurist beim Tiroler Bauernbund, danach Leiter der Bezirkslandwirtschaftskammer in Imst und ist seit nunmehr zwölf Jahren Direktor des Tiroler Bauernbundes – in seine Sprecherfunktion einfließen lassen. Im Gespräch mit der Bauernzeitung schildert er, was ihm dabei besonders wichtig ist.

05.07.2018

Herr Bundesrat Raggl, was ist Ihnen ein besonderes Anliegen?
RAGGL: Ich arbeite seit fast 30 Jahren für und mit den Tiroler Bauern und traue mich zu sagen, dass ich sehr gut weiß, wo der Schuh drückt. Wichtig ist mir, dass Hausverstand und Praxisbezug nicht verloren gehen und Landwirtschaft und Umwelt- und Tierschutz nicht gegeneinander ausgespielt werden. Kurz gesagt: Ich möchte die Anliegen der Bauern hier in Tirol bestmöglich in Wien vertreten und das nicht nur im Bundesrat, sondern auch im ÖVP-Klub, in den einzelnen Ministerien oder auch gegenüber der AMA.

Was sind Ihres Erachtens die wesentlichsten Entwicklungen im Tier- und Umweltschutz?
RAGGL: Eine große Herausforderung ist sicherlich die Tatsache, dass sehr viele Menschen im Bereich Tier- und Umweltschutz mitreden − oft ohne jeden Praxisbezug − und sich in der heutigen Zeit quasi jeder selbst zum Experten in dieser Materie ernennen kann. Vor allem mischen hier NGOs die Karten kräftig mit und beeinflussen die Meinung in der Bevölkerung durch den gezielten Einsatz ihrer exorbitant hohen Spendengelder − Gelder, von denen wir in der bäuerlichen Interessensvertretung österreichweit im Übrigen nur träumen können.

Wie wirkt sich diese Art der Meinungsbildung auf die Tiroler Bauern aus?
RAGGL: Wenn Menschen in gut klimatisierten Stadtbüros an den Rädchen der Stammtische des 21. Jahrhunderts drehen − dazu zählen für mich vor allem die sozialen Medien − dann spüren das Bauern vor Ort radikal. Wir kämpfen im Bauernbund vielerorts gegen bürokratische Hürden an, die ohne jeglichen Realitätsbezug vorbei am Bauern und vorbei an den lokalen Gegebenheiten am Reißbrett erstellt wurden und in der Praxis untauglich sind.

Können Sie uns zur Konkretisierung Beispiele nennen?
RAGGL: Da könnte ich Ihnen viel aufzählen. Ganz spontan kommen mir Beispiele wie die kürzlich geforderten Erschließungskosten für Güllegruben, die wir letztes Jahr für Osttirol abwenden konnten, oder die geforderte Bewilligungspflicht für das „Auf Stock setzen" von Stauden und Bäumen, das wir bereits 2014 verhindert haben, oder z. B. die Bewilligungspflicht jeglicher Verbrennungen biogener Materialien, wo es unseren Wipptaler Bergbauern untersagt ist, wohlgemerkt direkt neben der stark frequentierten Brennerautobahn die Abwürfe der Lärchen zu verbrennen, in den Sinn. Wie gesagt, Beispiele gibt es leider genug.

Was bräuchte es Ihrer Meinung nach?
RAGGL: Es braucht Gesetze, die der weltweit unschlagbar naturnahen Bewirtschaftungsweise unserer Tiroler Bergbauern entgegenkommen. Wenn ein Bauer seinen Feldweg einen halben Meter verbreitern will, damit er mit dem Motorkarren das Heu einbringen oder das Brennholz aus dem Wald schleppen kann, dann ist das derzeit eine kaum überwindbare bürokratische Hürde. Dabei dient das auf kurz oder lang nur der Aufrechterhaltung der flächendeckenden Bewirtschaftung unseres Landes. Wenn nämlich dieser Bauer irgendwann seinen Hof gar nicht mehr bewirtschaftet, dann ist der geschaffene Lebensraum für Flora und Fauna schnell verwaldet und somit verschwunden. Das kann ich Ihnen garantieren.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen im Tier- und Umweltschutz?
RAGGL: Das habe ich im Eingangsstatement bereits durchklingen lassen. Es ist die Beeinflussung, der Zuruf von außen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der Menschen, die weder über die nötige Praxiserfahrung noch über eine fundierte Fachausbildung und Sachkenntnis verfügen, sich bemüßigt fühlen, die Meinung anderer zu bilden und umzukehren. Das heißt konkret in Anliegen des Tierschutzes: Ein Mitarbeiter einer NGO in Wien richtet den Menschen in Tirol aus, dass die Art der Rinderhaltung, wie wir sie in Tirol haben, schlecht für die Tiere sei. Dass die Kuh in Tirol zur Familie gehört, einen Namen hat, im Frühjahr und im Herbst zu Hause auf der Wiese ist, die Sommermonate auf der Alm verbringt und im Winter ihren Auslauf am heimischen Hof hat, spielt dabei keine Rolle mehr. Ähnlich sehe ich die im Raum stehende Ausweisung der Bergmähder als Natura-2000-Schutzgebiete. Werden diese Bergmähder von unseren Bauern häufig in mühsamer Handarbeit nicht mehr gemäht, dann gibt es keine Bergmähder mehr − ob als Natura-2000-Schutzgebiet oder nicht.

Wie wollen Sie Ihre Sprecherfunktion nutzen?
RAGGL: Es ist mir wichtig, die Anliegen der Tiroler Bauern auch auf Bundesebene einfließen zu lassen und einen Beitrag dazu zu leisten, damit nicht andere über uns reden, sondern wir mitreden, und zwar genau an dem Ort, wo die Gesetze gemacht werden. Das ist auf Gemeinde-, Landes- und Bundesebene für die Tiroler Bauernschaft sehr wichtig. Sonst entscheiden irgendwann andere über uns.


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