Almgeschichten – Folge 3: Ein knochenharter, aber schöner Job

Stierhüter Franz Hiesel arbeitet heuer den 21. Sommer auf der Alpe Gampernun.

28.06.2018

Manchmal unternehme ich eine Almtour, um nachzuschauen, wie es alten Bekannten geht. Und so habe ich wieder einmal Franz Hiesel besucht, den legendären Hirten von der Flirscher Stieralm bzw. der Alpe Gampernun. Franz kommt aus Strengen am Arlberg, ist mittlerweile 78 Jahre alt und heuer den 21. Sommer auf der Alm. Seit ich ihn vor ein paar Jahren zum letzten Mal besucht habe, hat sich Franz kein bisschen verändert. Auch besitzt er immer noch denselben verschmitzten Humor und dieselbe Almbegeisterung.
Was ihn trotz der Beschwerlichkeit und Gefährlichkeit immer wieder auf die Alm treibt? „Der Abstand von zuhause", sagt er mit seinem verschmitzten Lächeln und einem liebevollen Seitenblick auf seine Frau Maria, die schmunzelnd nickt, weil sie die Sprüche von ihrem Franz schon kennt. Vor allem aber ist es die Liebe zur Natur und zu den Tieren, die Franz schon im Frühjahr unruhig werden lässt, weil dann bald die Almzeit beginnt.

Eine große Herde Mast- und Zuchtstiere
Zumeist hat Franz den Sommer über auf der Alpe Gampernun bis zu 50 Mast- und Zuchtstiere zu betreuen. Damit das gut geht, braucht es besondere Vorsichtsmaßnahmen. Am Beginn des Sommers kennt Franz die Tiere ja noch nicht und weiß nicht, wie sie reagieren. Deshalb beobachtet Franz nicht nur jeden Stier ganz genau, sondern auch jeden Bauern: Wenn diese ihre Stiere im Frühsommer auf die Alm bringen, schaut Franz, ob das Verhältnis zwischen Mensch und Tier von Vertrauen geprägt ist oder ob die Bauern unsicher sind im Umgang mit ihren Stieren. Es gibt jeden Sommer zwei oder drei Stiere, die durch aggressives Verhalten auffallen, während die anderen die Almweiden genießen und genüsslich grasen. Die schwierigen Charaktere gilt es unter besondere Beobachtung zu nehmen.
So einem Stier – selbst jenen mit gutmütigem Wesen – nähert man sich am besten immer behutsam und ruhig. Franz achtet auch darauf, dass er auf der Weide immer das gleiche Gewand anhat, das vermittelt ihnen ein Gefühl von Sicherheit. Stiere sind Gewohnheitstiere, die es schätzen, wenn keine Überraschungen den täglichen Ablauf stören. Der geruhsame Almalltag, der sie noch dazu fit macht und auf gesunde Weise stärkt, kommt ihnen da gerade recht.

Stiere sind rotfarbenblind
Beim täglichen Almoutfit verzichtet Franz auf einen roten Janker. Aber dass Stiere mit der Farbe Rot auf Kriegsfuß stehen, sei ohnedies ein Aberglaube, sagt er. Tatsächlich sind Stiere rotfarbenblind. Seiner Meinung nach kommt das Missverständnis daher, dass Stiere auf Blut aggressiv reagieren.
Die Mast- und Zuchtstiere, die Franz auf der Alm betreut, kommen von verschiedenen Bauern der Almgenossenschaft, zu der insgesamt 15 Gemeinden aus dem Bezirk Landeck zählen: Strengen, Flirsch, Pettneu, St. Anton, Pians, Tobadill, See, Kappl, Landeck, Fließ, Zams, Schönwies, Stanz, Grins, Kaisers. Im Jahr 1912 errichtete man die heute noch bestehende Steinhütte auf 1763 Meter, außerdem baute man einen Stall, einen Weg und Wasserwaale. 1971 wurde die Alm mit einem Fahrweg erschlossen. Seither wird sie immer wieder renoviert und bestens instand gehalten. Außer den Stieren weiden auf der Alpe Gampernun Mutterkühe, Kälber und Galtvieh. Die Maststiere dürfen zwei Almsommer genießen, damit ihr Fleisch zartfaserig wird, dann müssen sie zum Metzger, die Zuchtstiere haben auch nicht viel länger Galgenfrist, höchstens drei Almsommer sind ihnen gewährt.
Da ist Franz mit seinen 21 Almsommern bestens bedient. Aber das Alter zieht halt doch in den Knochen und das ist bei dem harten Job als Stierhüter auf Gampernun täglich zu spüren. Die steilen Almböden fordern Beweglichkeit und diese lässt auch beim tüchtigsten und fittesten Hirten mit den Jahren nach. Zum Glück hat Franz tüchtige Helfer. Wenn einmal Not am Mann ist, weil sich zum Beispiel ein Stier verlaufen hat und wieder auf die Weide zurückgetrieben werden muss, springen die Söhne und Enkel von Franz unterstützend ein. Besucher und Wanderer sollten um die Stierweiden von Gampernun aber lieber einen großen Bogen machen. So friedlich die weidenden Tiere auch aussehen, man weiß nie, was sie im Schilde führen. Und im Ernstfall ist so ein Stier immer derjenige, der Stärke und Schnelligkeit auf seiner Seite hat.

Fotos: Abseits der Stierweide gönnt sich Franz Hiesel genussvolle Momente.
Blick auf die Hirtenhütte der Gampernun Alm.

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