12.04.2018

Bisher gab es noch keine Sichtung des Wolfes im Ötztal und dennoch gewinnt das Thema „Wolf im Alpenraum" an Brisanz. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass Tirol vom Wolf umkreist ist. Es gibt derzeit in Europa bereits über 20.000 Wölfe und sowohl in der Schweiz, in Bayern als auch in Südtirol und dem Trentino kommt es vermehrt zu Wolfrissen. „Es ist deswegen nur eine Frage der Zeit, bis die Wölfe auch zu uns nach Tirol kommen. In 24 Stunden legt ein Wolf 72 km auf seiner Nahrungssuche zurück und die Population verdoppelt sich beim Wolf alle drei Jahre", erklärt der Initiator der Veranstaltung, Forum-Land-Bezirksobmann Magnus Gratl und ergänzt: „In Deutschland waren es in den Jahren 2015/16 noch 47 Rudel 2016/17 waren es bereits 60 Wolfsrudel, die sich zur Nahrungssuche wieder andere Territorien suchen müssen."
NR Hermann Gahr hat sich auf Bundesebene des Themas Wolf angenommen. „Leider ist es derzeit so, dass es relativ wenig Information und sehr viel Emotion gibt. Derzeit kann keiner vorhersagen wann der Wolf über die Landesgrenzen zu uns kommt, aber der Konflikt ist bereits jetzt vorprogrammiert. Deswegen setzen wir mit Forum Land bereits jetzt auf Aufklärung und forcieren auf Bundesebene die Erarbeitung eines gemeinsamen Strategieplanes. Unsere Ziele sind die Realitäten fachlich fundiert aufzuzeigen, Betroffene in die Diskussion einzubinden – und damit meinen wir nicht nur Bauern und Jäger, sondern vor allem auch Touristiker und Freizeitsportler– Ziel muss es sein den sehr hohen EU-Schutzstatus dieser Tiere anzupassen und somit ein sinnvolles Wolfsmanagement früh genug in Kraft treten zu lassen", zeigt Gahr die konkreten Ziele auf und verweist gleichzeitig auf die Tatsache: „Ehrlicherweise muss man sagen, dass derzeit Info, Dialog und die Betroffenheit in Tirol noch fehlen. So lange das so ist, tun wir uns schwer mit der Umsetzung unserer Ziele".

Almwirtschaft und Tourismus hauptbetroffen
In Tirol gibt es rund 2100 Almen. Besonders leichte Beute stellen für den Wolf die ca. 100.000 Schafe dar, die auf den Almen ihre Sommerfrische verbringen. „Das Problem ist das Jagdverhalten des Wolfes. Während andere Beutegreifer wie zB Bär, Luchs oder Adler sich ein Tier aussuchen, erlegen und dann fressen findet der Wolf bei der Jagd auf Schafe eine besondere Freude am Reißen. Somit werden bei den gemeldeten Fällen in den benachbarten Ländern oftmals mehrere Tiere gerissen und schwer verletzt oder tot liegen gelassen", schildert Gratl die Problematik bei Wolfrissen. Er betont, dass es Schutzmaßnahmen gibt. „Diese schränken aber unser Nutzungsverhalten ein. Herdenschutzhunde beispielsweise schützen die Herde – egal ob der Wolf kommt oder ein Gast", erklärt Magnus Gratl und weist damit auf die Betroffenheit in Tourismusregionen hin.
„Ich habe selbst 30 Jahre lang Schafe gezüchtet und das Problem, das Bauern bei gerissenen Nutztieren haben ist, dass mit Wolfrissen ein besonders großes Leid und Qual einhergeht. Der Wolf beginnt seine Beute oftmals von hinten her zu reißen. Was dem Bauern dann noch bleibt ist eine Entschädigung des Fleischwertes, der sich bei einem Lamm beispielsweise bei 20-30 Euro bewegt, wobei der Zuchtwert des Tieres ein ungleich größerer gewesen wäre. Die Bauern werfen das Handtuch und wir haben bereits jetzt die Situation in Tirol, dass die Anzahl der aufgetriebenen Almtiere rückläufig ist. Auch wenn diese Bewegung schleichend ist und vielleicht in den ersten Jahren nur den Bauern auffällt, wenn unsere Almen sterben verwuchert unser Land, was für die touristische Nutzung fatal wäre", so Gahr.
„Für Forum Land ist es wichtig über die Berufsgruppen und Ländergrenzen hinweg zu informieren. Der Wolf ist ein Raubtier und hat in den dicht besiedelten und stark touristisch genutzten Alpen keinen Platz mehr. Deswegen werden wir weiterhin auf Aufklärung setzen und Informieren, damit wir gemeinsam eine Auflockerung des strengen EU-Status für bestimmte Regionen in Europa erreichen können", so Gratl abschließend.

Foto: Initiatoren und Referenten des Forum-Land-Diskussionsabends: vlnr. BR Dr. Peter Raggl (Bauernbunddirektor) DI Franz Lanschützer (LK Salzburg), NR Hermann Gahr (Forum-Land-Landesobmann), DI Johann Jenewein (Redakteur der Zeitschrift Alm- und Bergbauer), Reinhold Hausegger (Ortsbauernobmann und Vizebürgermeister von Längenfeld), Magnus Gratl (Forum-Land-Bezirksobmann Imst)


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