04.01.2018

Hermann Kuenz, was waren die wichtigsten Schwerpunkte in der abgelaufenen Periode?
KUENZ: Die Periode war davon geprägt, dass wir mit sechs von 16 ÖVP-Abgeordneten eine sehr starke bäuerliche Mannschaft im Landtag hatten. Wir haben in dieser Zeit für die Bauern viele wichtige Gesetze novelliert. Mein Hauptthema am Beginn der Periode war das Agrargesetz, das war extrem fordernd und ich war um meine politische Erfahrung froh. Es galt, ganz unterschiedliche Interessenlagen und höchstgerichtliche Entscheidungen in ein zukuftsfähiges Gesetz zu gießen. Die Novelle zum Flurverfassungslandesgesetz hat einen Ausgleich gebracht und ist zukunftsfähig geworden. Das Thema ist damit von der täglichen Schlagzeile weggekommen und es gibt Gestaltungsmöglichkeiten – Stichwort Auseinandersetzungsverfahren. Wir wollen künftig auch die Rolle des Substanzverwalters neu gestalten. Die Zukunftsfähigkeit der Agrargemeinschaften ist eine essenzielle Frage nicht nur für die Bauern, sondern für das ganze Land Tirol. Die Novellierung des Höfegesetzes war auch mit meine Initiative und hat vor allem für die Übergaben gute Gestaltungsmöglichkeiten gebracht. Mit dem Landeskulturfondsgesetz konnten die Möglichkeiten weiter in Richtung Verarbeitung, Vermarktung und Innovation geöffnet werden. Mein Ziel ist es auch, das Agrarbudget im Landeshaushalt zu erhöhen.

Was werden die Herausforderungen in der Zukunft sein?
KUENZ: Da ist für mich das Thema Schutz des bäuerlichen Eigentums, von Grund und Boden, die Regelung der touristischen Nutzung bis zur Bewusstseinsbildung vordringlich. Viele Menschen aus dem urbanen Raum erleben die bäuerliche Kulturlandschaft mehr als Freizeitpark, als Spielplatz und Bewegungsraum für Sportarten. Denen müssen wir noch viel stärker bewusstmachen, dass das unsere Lebensgrundlage für die Produktion und unser Eigentum ist. Damit hängt auch das Thema Bodensparen zusammen, ebenso auch die Revitalisierung von Ortskernen. Wir brauchen in Tirol schlicht und einfach keine zusätzliche Verkaufsflächen mehr. Wir werden auch einer Öffnung der Almwege oder Forstwege für Radfahrer nur mit klaren vertraglichen Regelungen zustimmen. Wir müssen die Obmänner schützen, da geht es vor allem um die Haftungsfrage. Zum Thema Almen habe ich im letzten Landtag einen Antrag eingebracht. Der obere Stock ist im Bergland Tirol eine zentrale Frage für die Landesentwicklung. Almen sind nur dann schön, wenn sie bewirtschaftet werden. Diese bäuerliche Bewirtschaftung muss sichergestellt und insgesamt die Almwirtschaft auch durch bessere Förderung gestärkt werden. Da geht es um die Erschließung mit Fahrwegen bis zu Investitionen in Gebäude, um die Almpflege, aber auch darum, Einkommensmöglichkeiten z. B. durch Ausschank zu schaffen und dort keinen bürokratischen Zwang wie in einem Fünf-Sterne-Hotel vorzuschreiben.  

Wie ist Ihre Position zu den Themen Wolf und Naturschutz?
KUENZ: Beim Wolf habe ich eine ganz klare Position: Der Wolf hat in Tirol einfach nicht den Lebensraum, um dauerhaft sesshaft zu werden. Wir können es nicht zulassen, dass sich bei uns Wolfsrudel bilden, das ist mit der traditionellen flächendeckenden Almbewirtschaftung nicht vereinbar. Das führt weiter zum Thema Naturschutz. Wir fordern einen Naturschutz mit Hausverstand. Es darf nicht jede Veränderung nur negativ gesehen werden. Da braucht es eine Bagatellregelung für kleine Vorhaben.
Ein wichtiges Anliegen ist mir die Innovation. Die müssen wir durch Förderung, eventuell auch durch Beteiligungen, unterstützen, vor allem in Richtung Verarbeitung und Vermarktung. Diesen Sektor müssen wir wieder mehr in die bäuerliche Hand zurückführen. Hier hat auch die Genossenschaft als modernes Gemeinschaftssystem ihren Platz. Wenn wir rein in der Urproduktion bleiben, ist der Großteil der Wertschöpfung weg. Wir müssen nicht nur Spitzenqualitäten erzeugen, sondern auch neue Wege in der Vermarktung suchen. Unser eigener Obstbau- und Brennereibetrieb kann da ein Beispiel sein. Mit der Marke Tirol und der „Qualität Tirol“ haben wir gute Voraussetzungen. Die große Produktionsvielfalt in Tirol müssen wir der Gastronomie und dem Tourismus noch viel mehr bewusstmachen.

Welche Themen beschäftigen Sie über die Landwirtschaft hinaus?
KUENZ: Ich sehe die Gefahr, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. Der urbane Bereich, und das ist nicht nur die Großstadt, hat eine ganz andere Problemlage als der ländliche Raum. Da geht es um Chancengleichheit. Vor allem der junge Mensch muss die gleichen Chancen für Ausbildung und Beruf haben. Da mache ich auch ein Plädoyer für die Selbständigkeit in Gewerbe, Handwerk, Dienstleistung. Darum ist die Erschließung des ländlichen Raums eine Kernaufgabe von Staat, Land und Gemeinden, etwa bei Breitband und Digitalisierung. Diese bringen für den ländlichen Raum mehr Chancen als Risiken. Wir brauchen für all das gute Argumente, eine gute Öffentlichkeitsarbeit und nicht zuletzt Verbündete. Wir brauchen schließlich wieder mehr Hausverstand, von der Gesetzesschreibung bis zu Vollzug und Gerichtsbarkeit.

Welche Themen bewegen Osttirol?
KUENZ: Osttirol ist ein Synonym für den ländlichen Raum, mit einem lebendigen Zentralraum, aber auch abwanderungsgefährdeten Seitentälern. Wir haben in Osttirol eine gute wirtschaftliche Entwicklung erreicht, es gibt tolle Industriebetriebe mit gewaltigen Investitionen, eine sehr starke gewerbliche Struktur, einen Höchststand in der Beschäftigung und gute Ausbildungsmöglichkeiten. Im Verkehr braucht es Verbesserungen in Lienz und vor allem eine Umfahrungslösung für Sillian. Es geht auch um das ländliche Wegenetz, wofür wir vom Land mehr Geld brauchen, aber auch Anreize, um gemeindeübergreifend zusammenzuarbeiten. Und schließlich müssen wir den Nationalpark Hohe Tauern touristisch noch viel mehr in Wert setzen.
Danke für das Gespräch!

Zur Person

Geboren am 3. März 1959
Volksschule, Gymnasium in Lienz, Matura
Bundesheer (Einjährig-Freiwilliger, Ausbildung zum Milizoffizier)
Studium an der Universität für Bodenkultur in Wien, (Dipl.-Ing.), zwei Jahre Fachlehrer an der LLA Weitau, zehn Jahre Landesbeamter bei der Agrarbehörde in Lienz
Landwirtschaft:
Der Kuenzhof ist seit über 400 Jahren im Besitz der Familie (Erbhof)
1983 Übernahme des Hofes, seit 1996 im Vollerwerb, schrittweiser Ausbau zum Obstbaubetrieb und Brennerei
11 Hektar Intensivobstanlagen, Ackerflächen und Wald
Landwirtschaftliche Betriebe und Brennerei führen heute die Söhne Johannes und Florian; einschließlich der Familie ca. 10 Arbeitskräfte
Funktionen:
6 Jahre Gemeinderat, 1999 bis 2003 Abgeordneter zum Landtag (bestes Tiroer Vorzugsstimmenergebnis), seit 2013 wieder im Landtag, stv. Klubobmann, Obmann des Ausschusses für Land- und Forstwirtschaft, Verkehr und Umwelt sowie des Finanzausschusses
Agrarklubobmann
Seit 2000 Gründungsobmann des Stadtmarktes Lienz, Obmann der Raiffeisenbank Lienzer Talboden, Obmann-Stv. der Raiffeisenverbandes Tirol
2017 Verleihung des Berufstitels Ökonomierat
Familie:
Frau Martina
Vier Kinder: Angelika (geb. 1982), Johannes (geb. 1984), Elisabeth (geb. 1985), Florian (geb. 1991); fünf Enkel
Hobbys: Wandern, Bergsteigen, Pilgern

Meine politischen Ziele

– Schutz des bäuerlichen Eigentums bzw. von Grund und Boden
– Stärkung der Almwirtschaft, u. a. durch bessere Förderung und bürokratische Erleichterungen
– Unterstützung von Innovationen in der Landwirtschaft, vor allem in Verarbeitung und Vermarktung
– Chancengleichheit für die Bewohner des ländlichen Raumes, vor allem der jungen Menschen, für Ausbildung und Beruf
– Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum, vom Wegenetz bis zum Breitband
– Mehr Hausverstand, von der Gesetzeswerdung bis zur Verwaltung und Gerichtsbarkeit
Darum: Stärken Sie den bäuerlichen Kandidaten auf der Landesliste und geben Sie am 25. Februar HERMANN KUENZ Ihre Vorzugsstimme!

Foto: Hermann Kuenz hat sich mit seiner Familie als Spitzen-Schnapsbrenner einen Namen gemacht.


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