Vieh der Bauern darf nicht Wolfsfutter werden

Zum Thema Wolf hat den Tiroler Bauernbund ein Schreiben des Wiener Tierschutzvereins erreicht, das wir im Folgenden zitieren. Dazu hat Bauernbunddirektor Dr. Peter Raggl Stellung genommen.

20.06.2017

Der Wiener Tierschutzverein, der sich als Wildtierkompetenzzentrum für den Schutz von Wölfen einsetzt, weist Sie darauf hin, dass eine internationale Verpflichtung zum Schutz der Wölfe besteht. Der Wolf ist in Anhang II der Berner Konvention als streng geschützte Tierart angeführt. Der Handel wird geregelt im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES, Convention on International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna and Flora; Anhang II) und in der Verordnung (EG) Nr. 338/97 des Rates vom 9. Dezember 1996 über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels (zuletzt geändert durch Verordnung (EG) Nr. 407/2009 der Kommission vom 14. März 2009; Anhang A). Europarechtlich ist der Wolf in Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie 92/43/EWG als prioritäre Art aufgelistet und in Anhang IV der FFH-Richtlinie als streng zu schützende Art angeführt. Aus § 24 Tiroler NschG ergibt sich der nationale besondere Schutzfaktor des Wolfes in Tirol und ist der Wolf daher auch ganzjährig geschont.
Wölfe sind eigentlich ein Teil der natürlichen Nahrungskette und regulieren dadurch direkt und indirekt den Bestand vieler anderer Arten, wie zum Beispiel des Schalenwildes, dessen Überhandennehmen seitens der österreichischen Jägerschaft sowieso stets kritisiert wird, da es für Schäden an Waldkulturen verantwortlich ist. Als natürlicher Beutegreifer ist der Wolf ein wichtiger Gewinn zur Aufrechterhaltung des ökologischen Gleichgewichtes. Es ist ganz normal, dass Wölfe sich als Carnivoren von anderen Tieren ernähren und daher neben Hirschen und Rehen auch ab und zu Schafe jagen und reissen.
Als effektive, nachhaltige und sinnvolle Gegenmaßnahmen sollten Sie als Bauernvertreter die Tiroler Bauern und Bäuerinnen über das erfolgreiche Herdenschutzhundeprogramm in der Schweiz aufklären.
Bei der Umsetzung der internationalen Verpflichtung zum Schutz der Wölfe spielt der Herdenschutz nämlich eine zentrale Rolle. Menschen und Grossraubtiere können nur nebeneinander leben, wenn die am stärksten betroffenen Kreise ihre Rückkehr tolerieren und zulassen. Dazu müssen die Konflikte minimiert werden. In der Schweiz existiert eine eigene Fachstelle für HERDENSCHUTZ. AGRIDEA (http://www.agridea.ch/de/) führt die nationale Fachstelle Herdenschutz.
Dem „Wolfmanagement in Österreich, Grundlagen und Empfehlungen aus dem Jahr 2012 (!) (https://www.tirol.gv.at/fileadmin/themen/land-forstwirtschaft/agrar/bildung-schule-sicherheit/downloads/OEsterreichischer_Wolfsmanagementplan.pdf), ist jedoch zu entnehmen, dass in Österreich eine nationale Beratungsstelle für Herdenschutz aus einem Team von NUR zwei Personen bestehen soll, das an eine bestehende landwirtschaftliche Institution angegliedert werden sollte (5.5. Nationale Beratungsstelle für Herdenschutz). Dr. Krösbacher haben wir daher in cc gesetzt, da er für Tirol dankenswerter Weise an dem Werk „Wolfmanagement in Österreich, Grundlagen und Empfehlungen aus dem Jahr 2012“ beteiligt war und daher eventuell näher Auskünfte bezüglich Umsetzung geben könnte.
Anscheinend existiert in Österreich noch gar keine Fachstelle für Herdenschutz, welche sich um den Schutz der Weidetiere durch den Einsatz von HÜTEHUNDEN, wie das Schweizer Vorbild erfolgreich zeigt, einsetzt.
Der Wiener Tierschutzverein bittet daher alle Verantwortlichen in Tirol, sich für die Ausweitung des Herdenschutzhundeprogrammes einzusetzen, um den hohen Schutzstatus des Wolfes garantieren zu können.


Mit der Bitte um Stellungnahme verbleiben wir
Mit freundlichen Grüßen

Dr.in Michaela Lehner
Rechtsabteilung
Wiener Tierschutzverein


Herdenschutzprogramme funktionieren kaum
Sehr geehrte Frau Dr. Lehner,
vielen Dank für Ihr Schreiben. Die Artenschutzabkommen und die derzeitige Rechtslage sind uns auch bekannt. Das muss aber nicht heißen, dass diese Rechtsmaterie für alle Zeiten in Stein gemeißelt ist. Bereits jetzt gibt es Ausnahmetatbestände, u. a. zum Schutz des Viehbestandes, wo Wölfe entnommen werden können.
Wir ersuchen Sie um Verständnis, dass unser Einsatz dem Schutz der Alm- und Weidewirtschaft, und  – was Sie besonders freuen dürfte – dem Schutz der Nutztiere gilt.
Wenn Sie auf das Herdenschutzprogramm in der Schweiz verweisen (das selbstverständlich mit Herdenschutzhunden und nicht wie von Ihnen erwähnt mit Hütehunden durchgeführt wird), liegen mir andere Informationen vor als Ihnen. Trotz Herdenschutzmaßnahmen gab es 2016 in der Schweiz 433 Wolfsrisse an Haus- und Nutztieren (geschätzte 40 Wölfe). In Frankreich (ca. 300 Wölfe) lag die Zahl der Wolfsopfer (Schafe, Ziegen, Rinder, Pferde) bei 9.068 Tieren, großteils aus geschützten Herden.
Der Einsatz von Herdeschutzhunden mag in entlegenen Gebieten Anatoliens, des Balkan oder Osteuropas im Ansatz funktionieren. Im touristisch und freizeitwirtschaftlich intensiv genutzten Alpenraum sind weder engmaschige Einzäunungen praktikabel noch der Einsatz von scharfen Hunden. Ernsthafte Konflikte und Vorfälle mit Spaziergängern, Wanderern oder Freizeitsportlern sind vorprogrammiert.
Zudem verringert sich die Effizienz der Herdenschutzhunde massiv, wenn es sich nicht mehr um Einzelwölfe handelt, sondern die Rudelbildung vollzogen ist (siehe oben Bild aus Frankreich).
Von den Kosten des Herdenschutzes (Zäune, Mehraufwand, Hunde, Futter, Hirten, Unterkunft …), die den Landwirten aufgebürdet werden sollen, gar nicht zu reden.
Die Tiroler Bauern halten ihre Nutztiere unter den Vorgaben eines strengen Tierschutzgesetzes und bekennen sich dazu. Der Viehbestand ist der ganze Stolz vieler Bauernfamilien, die Menschen haben eine enge und tiefe Beziehung zu Vieh. Die besondere Beziehung zum Tier wird in den Bauernfamilien schon von Kindesbeinen an gelebt. Auch wenn die Nutztiere letztendlich verkauft oder geschlachtet werden müssen, werden sie ordentlich gehalten und wird versucht, Schmerz, Leid, Angst und Stress zu verhindern.
Gerade Sie, die Sie sich dem Tierschutz verschrieben haben, sollten Verständnis dafür haben, dass die Bauern ihre Tiere nicht als Wolfsfutter zur Verfügung stellen wollen. In der Berglandwirtschaft zu leben und zu wirtschaften ist das eine, aus der Entfernung gute Ratschläge abgeben, das andere.

Dr. Peter Raggl,
Direktor des Tiroler Bauernbundes


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